In Würde gebären, leben und sterben!

Bericht über das Symposium der DAFG und des Vereines Menschen für Frauen am 13.06.2025 in der Volkshochschule Bruchsal

Am 13. Juni 2025 fand in der Volkshochschule Bruchsal ein gemeinsames Symposium der Deutsch – Afrikanischen Freundschaftsgesellschaft in der Gynäkologie (DAFG) und des Vereines Menschen für Frauen (MfF) e.V. statt.
Das nachfolgende Bild zeigt die Teilnehmer der gut besuchten Veranstaltung im Atrium des Bürgerzentrums:

Teilnehmer des Symposiums im Atrium des Bürgerzentrums Bruchsal am 13.06.2025 (Kornelia Altdörfer)

Vielfach wurden wir in den letzten Monaten auf die unsichere Lage der Städte und Gemeinden in Burkina Faso angesprochen. In dem Burkina INFO 2/24 wurde darüber auf Seite 16 ff. unter dem Titel Burkinas belagerte Dörfer und Städte berichtet (Lanier, 2024). In einem 2023 von Amnesty International veröffentlichten Bericht ist zu lesen: ‚Was das Recht auf Bildung betrifft, sieht es in den Regionen Boucle du Mouhoun, Sahel, Est, Centre-Nord und Nord gar nicht gut aus. 6.149 Schulen haben geschlossen, im Sahel sind es 88% aller Schulen. Knapp über eine Million Kinder können nicht zur Schule gehen. Zwar wurde damit begonnen, den Unterricht via Radio anzuhalten, das funktioniert aber bei weitem nicht flächendeckend; und es ist voir allem nur ein ungenügender Ersatz‘ (AI Bericht, 2023).
Weiter ist in dem Bericht von AI von 2023 zu lesen: ‚Auch was den Zugang zu Gesundheitsleistungen betrifft, sind die von Belagerungen betroffenen Menschen arg unter Druck. 373 Gesundheitszentren haben konfliktbedingt geschlossen, 100 davon im Centre-Nord, 84 im Sahel (63% aller Zentren dort), 72 im Boucle du Mouhoun. Landesweit leiden fast 3 ½ Millionenunter diesen Schließungen, die meisten im Sahel, allein dort ist es knapp eine Million (AI Bericht 2023).

Ansprache des Botschafters von Burkina Faso in Deutschland, Prof. Dr. Toro Justin Ouro:

Seine Exzellenz der Botschafter von Burkina Faso begann seinen Vortrag über die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Burkina Faso mit einem Zitat aus der Apostelgeschichte Kapitel 3: ‚Eines Tages gingen Petrus und Johannes in Jerusalem in den Tempel, als wie an jedem Tag ein gelähmter Mann zum Tor des Tempels gebracht wurde. Wie jeden Tag ließ der Gelähmte sich dort hinsetzen, um von den Tempelbesuchern eine Gabe zu erbitten. Als er nun Petrus und Johannes sah, die eben durch das Tor gehen wollten, bat er sie, ihm etwas zu geben. Da sagte Petrus zu ihm: »Silber habe ich nicht, und Gold habe ich nicht; doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen von Jesus Christus aus Nazaret – steh auf und geh umher! Mit diesen Worten fasste er ihn bei der rechten Hand und half ihm, sich aufzurichten. Im selben Augenblick kam Kraft in die Füße des Gelähmten, und seine Gelenke wurden fest. Er sprang auf, und tatsächlich: Seine Beine trugen ihn; er konnte gehen! Der Mann folgte Petrus und Johannes in den inneren Tempelvorhof. Immerfort lief er hin und her, hüpfte vor Freude und pries Gott.‘
Die anwesenden ehemaligen Entwicklungshelfer des DED und Mitglieder der Deutsch – Afrikanischen – Freundschaftsgesellschafft (DAFG) waren von den Worten des Botschafters tief berührt, erkannten sie doch die eindrückliche Aufforderung zur ‚Abkehr vom Almosengeben der alten Entwicklungshilfe hin zur zeitgemäßen ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘ und zur Zusammenarbeit auf Augenhöhe!
Weiter bedankte sich Botschafter Ouro bei Herrn Eric Yanna, der ihn mit dem Verein Menschen für Frauen bekannt gemacht hatte. ‚Ich bin gekommen, um Ihnen den aufrichtigen Dank der Regierung und des Volkes von Burkina Faso, insbesondere von Dori, Ouagadougou und Dédougou, für Ihre Arbeit in den letzten 39 Jahren in Burkina Faso zu überbringen‘ waren die Worte mit denen sich der Botschafter bei den anwesenden ehemaligen Entwicklungshelfern und den Mitgliedern des Bruchsaler Vereines ‚Menschen für Frauen (MfF) e.V. bedankte.
‚Trotz des Kampfes von Burkina Faso gegen den Terrorismus, und zwar durch die Reform und Ausrüstung seiner Armee, die es uns heute ermöglicht hat, mehr als 70 % unseres Territoriums zu kontrollieren, verglichen mit nur 40 % im Jahr 2022, hat das Land der integren Männer Anstrengungen unternommen, um die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern und Arbeitsplätze für junge Menschen zu schaffen. dank der Einrichtung von Verarbeitungsbetrieben für unsere landwirtschaftlichen Produkte.
Burkina Faso befindet sich mitten in der Industrialisierung, und was es vor allem braucht, ist die Ausbildung seiner Jugend. Wir geben der technischen und beruflichen Ausbildung, dem Transfer von Technologie und Fähigkeiten Vorrang, um diesen jungen Menschen, die mehr als 70 % der Bevölkerung ausmachen, eine Zukunft zu bieten, damit sie nicht in Versuchung geraten, das gefährliche Abenteuer der illegalen Einwanderung zu erleben.
Die Fachärzte und Hebammen, zu deren Ausbildung Sie beigetragen haben, wie Dr. Abdoulaye, der heute hier ist, sind lebendiges Zeugnis einer soliden und nützlichen Freundschaft für mein Land.
Ich bin gekommen, um die Dankbarkeit der Regierung und des Volkes von Burkina Faso auszudrücken, an Sie alle, die Sie seit Jahren nicht aufhören, diesen tapferen Völkern ein Lächeln zu schenken, die Tag und Nacht im Herzen der Sahelzone kämpfen, um den Klimawandel zu überleben, angesichts der Aggressivität in Würde zu leben und Nein zu allen Formen der Unterdrückung und Ausbeutung zu sagen.

Referate über Gesundheit und Partnerschaften

Eröffnung der Maternite am 6.01.2025 in Ouagadougou

Ein Zitat von Botschafter Prof. Toro Justin Ouro leitete die Referate über die Themen Gesundheit, Gynäkologie und Geburtshilfe ein: ‚In Würde zu leben und in Würde zu sterben‘ ist der Sinn des Kampfes, den mein Land heute unter der Führung von Kapitän Ibrahim Traoré führt.
In der Überzeugung, dass die Gesundheit der Bevölkerung das Hauptthema jedes Entwicklungsprojekts ist, hat die Regierung von Burkina Faso 15 mobile Kliniken gekauft und in Betrieb genommen, die für eine spezialisierte Versorgung zum Wohle der Bevölkerung in den Dörfern und auf dem Land ausgestattet sind. Neben dem Bau neuer Krankenhäuser hat die Regierung die Gebühren für spezialisierte medizinische Untersuchungen wie Scans um 50 bis 80 Prozent gesenkt. Sie bezuschusst bis zu 70 bis 100 % der Kosten für die Strahlentherapie bei bestimmten Krebsarten bei Kindern unter 15 Jahren sowie bei Gebärmutterhals- und Brustkrebs bei Frauen. Dies ist der Ort, um die enorme Arbeit zu würdigen, die Prof. Olga Lompo in dieser Richtung leistet, und sie führt ein weiteres medizinisches Ausbildungsprojekt durch, mit dem ich verbunden bin, um Sie um Ihre Unterstützung zu bitten.

Frau Dr. Maryam En-Nosse, Vorsitzende der AG FIDE und Oberärztin an der UFK Gießen, dankte Jürgen Wacker für seine Verdienste bei der Gründung der AG FIDE im Jahre 1994 in Heidelberg. Im weiteren Verlauf ging sie auf die aktuellen Schwerpunkte wie FGM, Frauengesundheit im Kontext des Klimawandels, Stärkung der selbstbestimmten Familienplanung und Förderung partizipativer und dekolonialer Zusammenarbeit ein.

Marie-Madeleine Da und Dr. Abdoulaye N’Diaye aus Ouagadougou berichteten ausführlich über die Eröffnung der maternite im Arrondissement IX in Ouagadougou und deren bisherige Ergebnisse. Das nächste Bild zeit die Hebammen und Pflegende der Maternité am 6. Januar 2025 in Ouagadougou.

Frau Prof. Olga Lompo (Ouagadougou) berichtete, dass in Burkina Faso die Brustkrebserkrankung bei den Karzinomen der Frau vor Leberkrebs und dem Zervixkarzinom mit 15,3% an erster Stelle der Krebserkrankungen steht. Mittlerweile ist es möglich, Stanzbiopsien aus den tastbaren Tumoren der weiblichen Brust in Burkina Faso durchzuführen. Erstaunlicherweise findet sich bei Untersuchungen des Institutes von Frau Prof. Lompo in Ouagadougou ein hoher Anteil ‚Triple negativer‘ Mammakarzinome. Es bleibt weiteren Untersuchungen vorbehalten, auf welche Ursachen diese Befunde zurückzuführen sind.

Frau Annette Mandel (Bruchsal) und Bürgermeister Dieudonné Tougfo (Dédougou) wiesen auf den Stand der Städtepartnerschaft zwischen Bruchsal und Dédougou hin. Erfreulicherweise konnten durch eine Initiative von Fanta und Eric Yanna Gueswende in einem Bruchsaler Markt frische Mangos, in Dédougou im April 25 geerntet, zeitnah in Bruchsal angeboren und verkauft werden! In Anwesenheit der Oberbürgermeisterin der Stadt Bruchsal, Frau Cornelia Petzold-Schick, wurde der Inhalt des Letters of Intent (LOI) vorgetragen und versprochen, diesen auch in die Tat umzusetzen.

Frau Dr. Kristina Killinger von der UFK Heidelberg und Dr. Abdoulaye N’Diaye (Ouagadougou) berichteten über den Stand der Zusammenarbeit zwischen den Univ. – Kliniken in Heidelberg und Ouagadougou.

Ausblick und zukünftige gemeinsame Projekte

Vorstand der burkinischen Partner von Menschen für Frauen e.V.

In einer abschließenden Podiumsdiskussion aller Referenten mit Frau PD Dr. Judith Lindert (Uni Rostock) und Eric Yanna Gueswende (Nürnberg-Erlangen) wurde auf die Bedeutung der Fortsetzung der begonnenen Zusammenarbeit unter Anwendung neuer Technologien gesprochen. Dabei wurde konkret über die Ausgestaltung und Einrichtung eines Bloc operatoire und über die Anwendung moderner radiologischer Apparate diskutiert.

Mit Demut wurde zum Abschluss erneut das Zitat des Botschafters zitiert: ‚In Würde zu leben und in Würde zu sterben‘. Dabei wurde auch über die Bedeutung der Palliativmedizin in armen und reichen Ländern sowie über den Umgang mit dem Tod und den respektvollen Umgang mit den Toten gesprochen, und es sei an dieser Stelle auf das Literaturverzeichnis am Ende dieses Artikels verwiesen. Jürgen Wacker wies darauf hin, dass gerade bei der Behandlung von alten und schwerkranken Patienten wir die Erfahrungen unserer afrikanischen Kolleginnen und Kollegen beherzigen sollten.

Der Eingang des CSPS

Erinnert sei auch an den Namen unseres CSPS in Ouagadougou: CSPS por la dignité de la femme! Fruit de copération Allemande et de sa Majesté le Mogho Naaba Baongho, und hingewiesen auf die weiterführende Literatur am Ende dieses Artikels. Gerade bei der Behandlung von schweren Geburtsverletzungen können wir viel voneinander lernen.

Unser Motto heißt weiterhin: ‚Helfen und Lernen in Afrika!

Weitere Informationen zu der Veranstaltung am 13.06.25 und über unseren Verein ‚Menschen für Frauen e.V.‘ finden Sie auf unserer Homepage: www.menschenfuerfrauen.de

Literatur

Amnesty International Report: ‚La mort nous guettait‘: Vivre dans des localités assiégées au Burkina Faso ; Sept. 2023 ; www.amnesty.org/fr/documents/afr60/7209/2023
Lanier Günther: Burkinas belagerte Dörfer und Stätte. Burkina Info 2/2024; S. 16-23).
Jürgen Wacker et al.: Häufigkeit und Versorgung von Geburtsverletzungen in Afrika: Ergebnisse aus Burkina Faso und Erfahrungen für Deutschland. Coloproctology, published online 21. April 2020
Catharina Bartmann et al.: Geburtstrauma aus ärztlicher Sicht; Was ist eine traumatische Erfahrung? Gewalt in der Geburtshilfe? FRAUENARZT (Juli 2025) 66:479-482.
Jürgen Wacker: The Role of Palliative Medicine in Poor and Rich Countries. J. Mental Health Disord. 2025; 5(1): 84-86-
Tobias Schrörs und Timo Steppat: Stirbt der Friedhof? FAZ 5.08.25; Nr. 179; S.3;
Jürgen Wacker, Camilla Rothe und Maryam En-Nosse: Global Women’s Health; Springer Nature; 2024

Bruchsal, den 08.08.2025
Jürgen Wacker