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Titel

 

Terroranschläge in Burkina Faso: Hintergründe und Handlungsempfehlungen 

(Anm.d.Red.: Der Verfasser hat in seinem Artikel viele Quellenhinweise verwendet.

Aus Platzgründen haben wir sie weggelassen.)

Terror1Burkina Faso ist kein Land des Terrorismus wie der Norden Malis mit seinen importierten und indigenen Terrorgruppen. Auch Boko Haram in Nigeria ist eine lokale extremistische Gruppe, die von internationalen Bewegungen inspiriert wurde. In Burkina Faso beobachtet man zur Zeit einen importierten Terror. Es ist ein transnationales Phänomen, das die Porosität der Grenzen und die Sicherheitsanfälligkeit des Landes ausnutzt. 

Der jüngste Angriff auf das Café Aziz Istanbul im Herzen von Ouagadougou inspirierte diese Analyse, die eine aktualisierte Version einer Veröffentlichung vom Februar 2016 am Gorée-Institut (Dakar / Senegal) ist. Sie konzentriert sich auf die Ursachen und Manifestationen des Terrorismus und seine Konsequenzen und schlägt einige Empfehlungen vor, um zu verhindern, dass das Land ins Chaos fällt. 

I. Ursachen und Manifestationen

I.1. Ursachen

Interne und externe Motive erklären die Entstehung von Terroranschlägen gegen Burkina Faso seit April 2015.

A. Interne Ursachen

Die gesellschaftspolitische Krise von 2014 und der politische Übergang, der von militärisch-zivilen Spannungen unterbrochen wurde, haben Burkina Faso in Sachen Sicherheit geschwächt. Diese Schwächung machte das Land für Terroranschläge anfällig. „Die Terroristen wollen die Entwicklung behindern und Angst zu schaffen“. Das Sicherheitssystem des Landes hat in Bezug auf Informationsbeschaffung und Reaktion auf Terroranschläge stark gelitten. Die neuen Behörden, die aus den Wahlen im November 2015 hervorgingen, müssen die Stärkung der Sicherheit des Landes fördern.

Wie in allen anderen Länder in der Region spielt die Durchlässigkeit der Grenzen Burkina Fasos bei den Terroranschlägen eine wichtige Rolle.

Außerdem muss die Entsendung von fast zweitausend burkinischen Soldaten nach Mali im Rahmen von MINUSMA zur Stabilisierung dieses Landes hinzugefügt werden. Die burkinischen Kräfte sind in Timbuktu stationiert und werden ständig von bewaffneten Gruppen angegriffen. Der Angriff in der Hauptstadt Ouagadougou am 15. Januar 2016 wird von einigen Analysten als eine Warnung und ein Akt der Vergeltung gegen die burkinische Regierung für ihre Beteiligung an MINUSMA gesehen.

Zu all diesen sichtbaren Ursachen, die direkt mit dem Terrorismus zusammenhängen, müssen wir auch die Faktoren hinzufügen, die Burkina Faso für Terroranschlägen besonders anfällig machen. In der Studie, die das Globale Zentrum für kooperative Sicherheit im Jahr 2014 durchgeführt hat, wird darauf hingewiesen, dass „ökonomische Bedingungen, insbesondere Armut, Unterentwicklung und Arbeitslosigkeit und politische Faktoren im Zusammenhang mit Korruption, Straflosigkeit und bad governance“ Burkina Faso für Terroranschläge anfällig machen.

Allerdings stellt die gleiche Studie fest, dass „trotz dieser verallgemeinerten Gefahr die Bedrohung durch gewalttätigen Extremismus in Burkina Faso nicht unmittelbar bevorsteht und immer noch niedrig im Vergleich zu den Nachbarländern ist. Es ist nicht zu erwarten, dass irgendwelche Burkiner ihre Forderungen hier durch Terrorismus durchzusetzen versuchen.“ Diese beruhigende Botschaft wird mit dem Wiederauftreten der Angriffe in der Sahel-Region und mit dem zweiten Angriff in Ouagadougou am 13. August 2017 in Frage gestellt.

Man muss dieses Risiko ernst nehmen. Seit den ersten Terroranschlägen im April 2015 bis zum August 2017 haben fast hundert Menschen ihr Leben verloren, Hunderte mehr wurden verletzt und Tausende von Burkinern leben in Angst. Mögliche Komplizenschaft mit oder lokale Empfänglichkeiten für extremistischen Ideen sind trotz der großen religiösen Toleranz der Burkiner in Erwägung zu ziehen.

Terror2Eine darauf ausgerichtete Aufmerksamkeit würde die mögliche Radikalisierung lokaler Gruppen (einige Analytiker vermuten die mögliche Existenz von Schläferzellen terroristischer Gruppen auf dem Boden Burkina Fasos) und die Niederlassung von ausländischen Extremisten vermeiden helfen. Wenn die Beteiligung von Burkiner an Terror-Operationen eine Möglichkeit bleibt, argumentieren einige Analysten, dann seien sie nur Außenseiter in diesen Gruppen und nicht durch die Ideologie gefestigt, engagiert und verpflichtet. Es würden aber junge Menschen auf der Suche nach Anerkennung und Zielen durch Versprechungen von Terroristenführern verführt werden. Dies folgt aus Forschungen von Professor Jacob Yarabatioula „Aber ich kann Ihnen nach den soziologischen Profilanalysen versichern, dass es, egal ob es sich um die Bewohner der Region Sahel, der Region Plateau Central oder anderer problematischer Gegenden unseres Landes handelt, für einen Burkiner sehr schwierig ist, zu dem Zeitpunkt, da ich zu Ihnen spreche, diesen Weg zu den Dschihadisten mit einer ideologischen Konnotation zu beginnen.“

Die Anerkennung der wirtschaftlichen Motivation für Radikalisierung junger Burkiner fordert zu angemessenen Maßnahmen der Regierung, des Privatsektor und der Organisationen der Zivilgesellschaft auf. Insbesondere sind die Beschäftigungsfähigkeit und die unternehmerischen Fähigkeiten der Jugendlichen zu verbessern. Für manche Beobachter führt das Fehlen einer Alternative die jungen Menschen zu drei hoffnungslosen Horizonten: Protest (fehlender Bürgersinn), heimliche Auswanderung und Radikalisierung.

B Externe Ursachen

Die malische Krise und die Entstehung terroristischer Bewegungen in der Sahel-Sahara-Region (AQIM, MUJAO, ANSAR DINE, DAECH ...) sind für die Nachbarländer, darunter Burkina Faso, Quellen der Unsicherheit.

Die libysche Krise war der Ursprung der Destabilisierung von Mali. Die Beobachter sehen deshalb in der libyschen Krise die Ursachen der Unsicherheit in der Sahel-Sahara-Region. Tatsächlich erlaubte der Zerfall Libyens den Terroristen, an Waffen zu kommen und Kämpfer zu rekrutieren.

Die französische und die amerikanische Militärpräsenz in der burkinischen Hauptstadt könnten nach Ansicht einiger Beobachter eine Ursache für den Terroranschlag in Ouagadougou am 15. Januar 2016 sein. Boukary Sawadogo spricht von einer nationalistischen Perspektive und argumentiert: „Eine Interpretationsmöglichkeit ist, dass der Terrorismus ein Mittel ist, mit dem die Westmächte Afrika rekolonialisieren wollen. In diesem Sinne wäre die Sicherheit ein zwingend notwendig erscheinender Vorwand für die (Wieder-)Einrichtung von Militärbasen und Informationssystemen, mit denen die Westmächte ihre Interessen besser umsetzen könnten.

Der afrikanische Markt weckt Begierden und neue Spieler wie China irritieren die ehemaligen Kolonialmächte.“

I.2. Manifestationen

 

„Was zuerst die Wange streichelt, landet am Schluss an der Kehle“, sagt ein burkinisches Sprichwort. Und genauso heißt es: „Ein Haus fällt nicht zusammen, ohne dass nicht zuerst ein paar Steine herausbrechen, die als Warnung dienen.“ Seit April 2015 zielen einige Überfälle von nicht identifizierten bewaffneten Gruppen im Grenzbereich des Landes auf Burkina Faso. Ouagadougou, die Hauptstadt von Burkina Faso, wurde am 15. Januar 2016 ins Herz getroffen. 

A. Wiederkehrende Bedrohungen im burkinischen Sahel 

Burkina Faso hat mit den beiden von Dschihad-Attacken betroffenen Ländern Mali und Niger eine lange Nordgrenze.

Seit dem 4. April 2015 (erster bekannter Angriff mit der Entführung eines europäischen Mitglieds des Sicherheitsteam der Goldmine von Tambao (Provinz Oudalan in der Region Sahel). Der Fahrer und ein burkinischer Polizist wurden nach einer Erklärung der Regierung dabei verletzt) bis zum 17. August 2017 (nach einem Kommuniqué der Pressestelle der Armee fuhr am 17. August 2017 ein Militärfahrzeug bei Djibo im Norden bei seiner täglichen Patrouillenfahrt über einen selbst gebastelten Sprengkörper; die Folge: drei tote und zwei schwer verletzte Soldaten) sorgen bewaffnete Gruppen durch viele Angriffe und Attentate in der Sahelzone und im Norden von Burkina Faso dafür, dass immer wieder von ihnen gesprochen wird.

Als Beispiel erinnern wir an zwei terroristische Überfälle: In der Nacht vom 15. Januar 2016 wurde in Djibo (Provinz Soum in der Region Sahel) ein australisches Paar (Dr. Kenneth Arthur Elliot und seine Frau Joceline, beide australischer Staatsbürger, die sich 1972 in Djibo niederließen und dort eine Klinik aufbauten und leiteten) entführt. Die Frau kam wenige Wochen danach in Niger frei (Anm.d.Red.: Über den Verbleib von Dr. Elliot ist uns nichts bekannt). Dazu kommt der Überfall vom 16. Dezember 2016 in Nassoumbou in der Provinz Soum, bei dem zwölf burkinische Soldaten getötet und vier weitere verwundet wurden. 

B. Die terroristischen Angriffe im Herzen von Ouagadougou (Januar 2016 und August 2017)

Der Angriff am 15. Januar 2016 gegen das Restaurant Cappuccino, das Restaurant Taxi Brousse und die Hotels Splendid und Yibi auf der Avenue Kwamé N‘Krumah, für die Al Qaida im islamischen Maghreb (AQIM) die Verantwortung übernommen hatte, hatte etwa dreißig Todesfällen einschließlich der Angreifer zur Folge. Die burkinischen Sicherheitskräfte erhielten von französischen Spezialeinheiten der Operation Barkhane und von den Vereinigten Staaten militärischen Unterstützung. AQMI rechtfertigt seine Handlung durch französische Operationen in Afrika (Mali, Zentralafrikanische Republik, ...) und durch die Invasion der westlichen Kultur.

Diese Vorgehensweise wurde bereits am 20. November 2015 im Radisson Blue Hotel in Bamako, Mali, benutzt. Auch hier war die Unterstützung Frankreichs, der Vereinigten Staaten und der UN-Kräfte notwendig, um die Geiselnahme zu beenden.

 

Am 13. August 2017 griffen zwei Terroristen das Café Aziz Instanbul auf der Avenue Kwamé N‘Krumah in Ouagadougou an. Achtzehn Menschen aus unterschiedlichen Nationen wurden getötet. Im Gegensatz zum ersten Angriff gab es dieses Mal eine sorgfältige und professionelle Reaktion der Verteidigungs- und der Sicherheitskräfte. Es muss auch die gute Kommunikation der Regierung in der Krise erwähnt werden. Über das Ereignis wurde in den Medien professionell berichtet. Alle Akteure im nationalen Leben (politische und religiöse Gemeinschaften und Organisationen der Zivilgesellschaft) appellierten an die Solidarität und den Zusammenhalt gegen die barbarischen Terroristen. 

II. Konsequenzen

Die Terroranschläge in Burkina Faso haben politische, wirtschaftliche, sozialpsychologische und geopolitische Konsequenzen. Möglich Szenarien der weiteren Entwicklung könnten deshalb beschrieben werden. 

II.1 Arten der Konsequenzen

Diese Terroranschläge in Burkina Faso haben Konsequenzen auf vier Ebenen:

  • Auf politischer Ebene zerstören Terroristen das Land und heben die Zerbrechlichkeit seines Sicherheitssystems hervor. Diese Angriffe verletzen die Menschenrechte. Für einige Beobachter wollen die Terroristen das demokratische Beispiel von Burkina Faso, das aus der doppelten Wahl vom 29. November 2015 hervorging, angreifen.
  • Auf wirtschaftlicher Ebene riskiert das Land, das stark vom Bergbau-Sektor abhängt, ausländische Investoren zu verlieren. Diese Angriffe untergraben das Bild von Burkina Faso als ein sicheres Land, das man besuchen kann.
  • Sozio-psychologisch können terroristische Angriffe den sozialen Zusammenhalt untergraben, wenn der extremistische Diskurs in bestimmten Bevölkerungsschichten eine positive Resonanz erhält. Die Regierung fordert die Bürger bereits auf, verbale und körperliche Gewalt gegen Personen mit Bart, mit Turban oder gegen verschleierte Personen zu vermeiden. Es besteht auch die Gefahr, dass sich in der Bevölkerung angesichts dieser gesetzlosen Mörder, die von ihrer „göttlichen“ Mission überzeugt und bereit sind, als Märtyrer des Terrorismus zu sterben, eine gewisse Psychose entwickelt.
  • Die Auswirkungen der Destabilisierung von Burkina Faso auf die Subregion: Als Pufferzone zwischen dem Norden und dem Süden des westafrikanischen Raums ist Ouagadougou durch die Terroranschläge in Burkina Faso anfälliger als andere südliche Hauptstädte wie Cotonou, Lomé, Accra, Abidjan und sogar Dakar. Die südliche Ausdehnung der Terroristen-Krake, ein Programm, das seit den 1990er Jahren von der GSPC (jetzt AQIM) entwickelt wurde, hat das Entstehen und Wachsen weiterer Terrorgruppen begünstigt.
  • Für Burkina Faso sind drei Szenarien möglich.

II.2 Mögliche Szenarien

A. Das optimistische Szenario

Burkina Faso reagiert durch einen professionellen Geheimdienst und eine robuste Sicherheitsaktion effektiv auf die Bedrohung, wodurch alle Versuche des Terrorismus, in das Land einzudringen, abgewehrt werden. Das Land ist vor Terroranschlägen völlig sicher, Investoren sind beruhigt und das Wirtschaftswachstum wird neu gestartet. Das Land wird in der Subregion zu einem Hort für Frieden und Wohlstand.

Dieses Szenario bleibt idealistisch, weil seine Verwirklichung vom Erfolg der anderen Länder über die terroristischen Bewegungen, insbesondere von Mali, Niger, Mauretanien und Algerien, abhängt. Außerdem ist das Ende der Krise in Libyen eine Voraussetzung für dieses Szenario. Dies ist ein Szenario, das sehr stark vom Gesetz der Wechselbeziehung zwischen Sicherheit und Terrorismusbekämpfung in der Sahel-Sahara-Region abhängt. Es wird gehofft, dass die Streitkräfte der G5 Sahel-Gruppe Burkina Faso, Mali, Mauretanien, Niger und Tschad erfolgreich operieren. 

B. Das realistische Szenario

Burkina Faso verfügt über gute Werkzeuge in Bezug auf Nachrichtenbeschaffung und Terrorismusbekämpfung. Die Sicherheits- und Verteidigungskräfte haben beträchtliche Mittel, um mit den Ein- und Überfällen terroristischer Bewegungen umzugehen. Die Grenzen werden besser kontrolliert. Die regionale Zusammenarbeit gegen den Terrorismus, vor allem durch die Sahel G5, funktioniert und reduziert die Angriffe in der gesamten Sahel-Sahara-Region.

Die Bedrohung ist damit unter Kontrolle. Die Burkiner kennen den Terrorismus und sind sehr wachsam. Sensibilisierungsmaßnahmen verhindern die Integration des extremistischen Denkens in den Mentalitäten. Es werden Entwicklungsbemühungen unternommen, um zu verhindern, dass die Armut der Bevölkerung dazu missbraucht wird, die Bevölkerung mit extremistischen Ideen zu infizieren und junge Menschen als Kämpfer, als Terroristen zu gewinnen. Die Beschäftigungsfähigkeit der Jugend und die unternehmerischen Kapazitäten werden – vor allem in den gefährdeten Gebieten im Norden des Landes – gestärkt.

Dieses Szenario erscheint uns unter Berücksichtigung der nationalen Möglichkeiten und der regionalen Fähigkeiten bei der Beantwortung von Terroranschlägen am realistischsten. 

C. Das pessimistische Szenario

Burkina Faso wird für Terroristen zum Refugium. Terrorbewegungen lassen sich in dem Land nieder. Große Gruppen der Bevölkerung, vor allem Muslime, übernehmen die extremistischen Ideen. Selbstmordattentate, Guerillakriegsführung, Angriffe auf die Interessen des Staates, gegen andere Religionen und gegen Westler finden täglich statt. Das Land versinkt in Gewalt. Investoren verlassen das Land. Armut ist weit verbreitet und vertieft sich.

Dieses Szenario ist unwahrscheinlich. Das Land verfügt über einen „nationalen Zement für/durch religiöse Toleranz“. Fast jede Familie in Burkina Faso ist multireligiös mit Muslimen, Katholiken, Protestanten und Anhängern von traditionellen Religionen, die in Harmonie unter einem Dach leben. Die soziale Destabilisierung und Destrukturierung dieses Zements kann nicht erreicht werden. Das ist der Kerngedanke des Aufrufs des Analytikers Boukary Sawadogo: „Die lebendigen Kräfte der Nation werden sich gegen diesen Feind vereinen, der durch Angst, Misstrauen und Zwietracht regieren will. Wir sind uns noch mehr einig und entschlossen, ein stärkeres Faso zu bauen. Der entschiedene Marsch der Burkiner auf dem Weg zum Frieden und Glück wird nicht von Terroristen aufgehalten, die nur Hass und Uneinigkeit fördern.“ Dies ist auch die Bedeutung der Botschaften politischer, religiöser und zivilgesellschaftlicher Akteure nach dem 13. August 2017 in Ouagadougou, die einstimmig den Zusammenhalt und Solidarität angesichts der terroristischen Bedrohung fordern. 

III. Empfehlungen

Um zu einer wirksameren Bekämpfung des Terrorismus beizutragen, muss auf gemeinschaftlicher, nationaler, transnationaler, kontinentaler und internationaler Ebene gehandelt werden. 

III.1. Auf nationaler und gemeinschaftlicher Ebene

  • Im Hinblick auf zivilgesellschaftliche Akteure (Verbände, NGOs, Bildungs-, Ausbildungs- und Forschungsorganisationen, Künstler): Sensibilisierungs-, Bildungs- und Entwicklungsförderungsaktivitäten müssen eingeleitet und intensiviert werden, damit Wissen und Fortschritt als Bollwerk gegen die extremistische Ideologie dienen. Bevor der Terrorismus zu einer militärischen Realität und einer Sicherheitsbedrohung wird, ist das Phänomen des Terrorismus in erster Linie ein Diskurs, ein Satz von Worten, eine Wahrnehmung des Lebens.
  • Die Verkleinerung des Phänomens erfordert eine Veränderung der Wahrnehmung des  Phänomens und seiner grundlegenden Tendenzen. Die Stärkung der Kapazitäten der Akteure  bleibt eine absolute Notwendigkeit, damit eine effiziente Umsetzung ihres Auftrags  gewährleistet werden kann. Gegen die Botschaft des Hasses und der Aufspaltung, die von  den Extremisten kommt, müssen die Akteure der Zivilgesellschaft eine Botschaft der Liebe,  des Friedens und der Förderung der Menschenrechte setzen. Das bedeutet die Durchführung  von Bürgeraktionen zur Sensibilisierung, Bildung und Ausbildung der Jugend und das  Wissen über und den Einsatz von Mechanismen einer Vorbeugung gegen den gewalttätigen  Extremismus. 
  • Für die Medien: Sie müssen gut über das Terror-Phänomen informieren und verhindern, dass der extremistische Diskurs in der Bevölkerung ein Echo hat. Die Anerkennung der diskursiven Dimension des religiösen Radikalismus lädt uns ein, ihm durch eine Informationsoffensive zu begegnen, die die Werte von Frieden und Toleranz in den Vordergrund stellt. Ein besseres Verständnis des terroristischen Phänomens, seine Ideologie, seine Ursachen, seine Entwicklung in Zeit und Raum und seine Konsequenzen ist notwendig. Die Macher der Medien müssen eine angemessene Ausbildung mit mehr Professionalität erhalten. 
  • An die nationalen Behörden: Sie müssen für eine gute und positive Verwaltung und Regierungsführung sorgen, die den Wohlstand für alle und vor allem für die benachteiligten Bevölkerungsgruppen fördert und die Mittel zur Sicherung der Grenzen und des gesamten Staatsgebietes bereitstellt. Die nationalen Behörden müssen durch einen integrativen Ansatz alle politischen und gesellschaftlichen Kräfte des Landes im Rahmen einer eingehenden Reflexion über die Suche nach Lösungen für die Probleme des Terrorismus zusammenzubringen. 
  • Es liegt in der Verantwortung des Staates, die konfessionellen Räume so zu gestalten, dass dort eine Botschaft von Frieden und Toleranz verbreitet wird. Der Lehrer und Forscher Jacob Yarabatioula schlägt vor: „Weltweit müssen wir die Menschen lehren, tolerant zu sein, den Gläubigen die Wahrheit zu sagen, ihnen Liebe, Solidarität und Frieden zu predigen. (...). Wir müssen das alles im Auge haben, aber wir müssen es auch in seiner Gesamtheit sehen. Man sollte nicht versuchen, ein Problem zu lösen, indem man andere Probleme schafft. Ich bin einer von denen, die denken, dass, egal ob Imam, Priester, Pfarrer oder Evangelist, all diese Akteure die grundlegenden Fragen der Werte unseres Landes verinnerlicht haben und sie in ihren Versammlungsräumen – Moscheen und Kirchen – verteidigen.“

Neben dem religiösen Aspekt muss der Staat seine Verantwortung für die Bildung übernehmen, damit wir Bürger haben, die die Regeln respektieren und sich um den nationalen Zusammenhalt kümmern. Nationale Behörden und andere öffentliche, private und nichtstaatliche Akteure sollten über einschlägige Analysen und konkrete Empfehlungen aus den Frühwarnsystemen, darunter WANEP-Burkina und dem Nationalen Koordinationszentrum des Frühwarn- und Reaktionsmechanismus (Centre National de Coordination du Mécanisme d’Alerte Précoce et de Réponse / CNCMAPR), informiert werden. Es ist zwingend erforderlich, die Zeit zwischen Warnung und Reaktion zu verkürzen, um Krisensituationen im Zusammenhang mit Terrorismus besser zu bewältigen.

Es ist auch dringend notwendig, den Geheimdienstsektor zu stärken und die Verteidigungs- und Sicherheitskräfte mit wirkungsvollen Mitteln zur Bekämpfung des Terrorismus auszustatten. Zudem besteht die Notwendigkeit, sich auf den Aufbau der Kapazitäten der Verteidigungs- und Sicherheitskräfte in asymmetrischen Kriegslagen zu konzentrieren. Eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Verteidigungs- und Sicherheitskräften und den Geheimdiensten trägt zum Erfolg des Kampfes gegen den Terrorismus bei.

Der Staat muss dem Terrorismus u.a. durch eine Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit und durch die Stärkung der unternehmerischen Kapazitäten junger Menschen entgegentreten. Er muss verhindern, dass Jugendliche für terroristische Handlungen missbraucht werden. Es gibt keinen Sieg über den Terrorismus ohne eine tugendhafte, integrative und partizipative Verwaltung und Regierungsführung.

Es wird in diesem Kampf keinen Erfolg ohne den offen erklärten politischen Willen der nationalen Behörden und ohne die Koordinierung der Bemühungen der Staaten des Sahel-Sahara-Raumes geben. 

III.2. Auf transregionaler und kontinentaler Ebene

  • Für die Länder der Sahel-Sahara-Zone (Burkina Faso, Mali, Mauretanien, Niger, Tschad): Die Kontrollmaßnahmen und Aktionen im Rahmen der G5 Sahel müssen aufgenommen werden. Dies ist Teil der Botschaft des Präsidenten von Faso am 29. Dezember 2015 bei seiner Amtseinsetzung: „In dem Augenblick, in dem ich das höchste Amt des Staates übernehme, ist die Sicherheitslage in der Welt im Allgemeinen und in der Subregion Westafrika im Besonderen wegen des Ausmaßes der terroristischen Bedrohungen und Handlungen besorgniserregend.
  • Deshalb müssen wir unsere Verteidigung und unsere Informationen in unseren Ländern und  zusammen mit allen anderen Ländern, die den Terrorismus in der Welt bekämpfen, bündeln,  um eine Einheitsfront gegen diese Geißel zu erreichen, die unserer Existenz bedroht.“ 

 Und bei seiner Ansprache am 25. Januar 2016 zur Würdigung der Opfer vom 15. Januar  2016 bemerkte er: „Zum Schluss meiner Bemerkungen möchte ich daran erinnern, dass die  Herausforderung von Frieden und Sicherheit, der wir uns stellen müssen, sehr groß ist. Wir  müssen jeden Augenblick darum kämpfen. Deshalb müssen wir bei uns, regional und  international eine einheitliche und wirksame Front aufbauen, damit wir die richtige Reaktion  auf alle Kräfte des Bösen zu haben, die unsere Länder destabilisieren wollen.

 Das erreichen wir, indem wir aufrecht, entschlossen, wachsam und ohne jegliche  Zugeständnisse an den Terrorismus bleiben. Das schulden wir auch all denen, die in diesen  mörderischen Angriffen so schrecklich hingerichtet worden sind.“

  • Die CEDEAO: Sie muss Projekte zur Verhütung, Bekämpfung und Bewältigung von Terrorismus im CEDEAO-Bereich entwickeln. Die regionale Gemeinschaft muss ihre Strategie gegen den Terrorismus operationalisieren. Es besteht zudem in der Dynamik der transnationalen Maßnahmen gegen den Terrorismus die Notwendigkeit eines Dialogs zwischen der CEDEAO und anderen Regionen (Nord-, Mittel- und Ostafrika). Dies kann im Rahmen der Reaktivierung von CEN-SAD (Communauté des Etats Sahélo-Sahariens) erfolgen. Transnationale Aktionen der verschiedenen afrikanischen regionalen Wirtschaftsgemeinschaften sind von wesentlicher Bedeutung, um die möglichen Auswirkungen der Vernetzung von verschiedenen Gruppen wie AQIM im Sahel, Boko Haram in Nigeria, dem islamischen Staat in Libyen, der Muslimbruderschaft in Ägypten und dem Shebab in Somalia zu verhindern.
  • Die afrikanische Union: Sie muss die Regionen dabei unterstützen, dass die bereitstehenden afrikanischen Streitkräfte eingesetzt werden können, um der terroristischen Bedrohung im Sahel-Sahara-Raum, in Zentralafrika, in Nordafrika und in Ostafrika zu begegnen.
  • III.3. Auf internationaler Ebene

Die internationale Gemeinschaft: Sie muss die notwendige Finanzierung zur Unterstützung gemeinschaftlicher, nationaler, regionaler und afrikanischer Initiativen zur Verhütung und Bewältigung terroristischer Krisen zur Verfügung stellen. Die Unterstützung durch die ausländische Investorengemeinschaft und die technischen und finanziellen Partner ist von wesentlicher Bedeutung, um einen für die Wirtschaft in Afrika günstigen Rahmen zu schaffen. Die Frage der Terrorismusbekämpfung sollte bei den Gesprächen und Verhandlungen zwischen Afrika und seinen Partnern (EU, USA, Brasilien, Kanada, China, Indien, Türkei ...) eine Priorität haben.

Ähnlich den Versprechungen der Gebergemeinschaft, die 250 Millionen Dollar für die Bekämpfung von Boko Haram zur Verfügung stellte, sollte den anderen Regionen unter terroristischer Bedrohung ähnliche Aufmerksamkeit zu Teil werden, um sicherzustellen, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung dieses Phänomens sowohl global als auch transversal sind.

Die Sachdienlichkeit dieser Empfehlungen hängt von der synergistischen Aktion der Akteure ab. Der Kampf gegen den Terrorismus muss einem integrierten Ansatz unter Berücksichtigung der politischen, religiösen, pädagogischen, entwicklungspolitischen, institutionellen, diplomatischen, transnationalen, sicherheitspolitischen und militärischen Dimensionen die Priorität einräumen. Terrorismus kommt von verschiedenen und sich änderten Ursachen. Die Bemühungen, das Phänomen zu reduzieren, müssen multidimensional sein und mehrere Akteure einbeziehen, die sich mit Phantasie und Kreativität anpassen können.

Das Phänomen ist sehr komplex. Es ernährt sich von extremer Armut und Unwissenheit, kann aber auch in einem Umfeld von großem Reichtum, Wissen und fortgeschrittenem Know-how gedeihen. Einige Kämpfer, die von Armut angetrieben und unter dem Schatten der Unwissenheit leben, halten sich an extremistische Ideen, um aus der Armut herauszukommen. Andere, aus reichen Familien mit einem hohen Bildungsniveau, engagieren sich im Terrorismus, um „Ungerechtigkeit“ zu bekämpfen. Durch geschickte Herangehensweise rekrutieren die Schergen des Terrorismus Mitkämpfer aus den wohlhabenden Bevölkerungsgruppen. Die meisten dieser Promotoren verfügen über ein hohes akademisches Niveau (Ingenieure, Ärzte) in theologischen, wissenschaftlichen, technischen und anderen Bereichen. 

Extremistische Reden erhalten von Menschen, die unwissend oder Opfer der Arroganz der Ungerechten sind, eine positive Antwort (die Hauptopfer sind junge Menschen und Frauen). Zusammenfassend sind es folgende Hauptbereiche, die die Aufmerksamkeit aller beteiligten Akteure erfordern:

  • Bildung, Information, Sensibilisierung;
  • Gute Regierungsführung;
  • Schaffung eines formalen Rahmens für den Dialog zwischen den wichtigsten Würdenträgern der Religionsgemeinschaften;
  • Stärkung der Beschäftigungspolitik der Jugend durch die Regierung;
  • Annahme einer umfassenden Strategie zur Bekämpfung des Terrorismus;
  • Verringerung der Kluft zwischen dem Staat und den Menschen;
  • Stärkung der Institutionen und Verbesserung der Funktionsweise des Staates mit dem Ziel, die Bedürfnisse der Bevölkerung besser zu erfüllen;
  • Bekämpfung der Ungerechtigkeit in all ihren Formen
  • Schlussfolgerung

Letztendlich ist es wichtig, Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen, damit das Gift des Terrorismus nicht in den burkinischen Gesellschaftskörper durch eine extremistische Rhetorik zur Rechtfertigung der bekannten Terrorangriffe injiziert wird. Mit 60% von Muslimen in der Gesamtbevölkerung kann jede religiöse Stigmatisierung zu Gewalt führen. Wir müssen arbeiten, um die weltliche und religiöse Harmonie, den Zusammenhalt und die Toleranz des Landes zu bewahren. Die wahllosen Angriffe sind gegen alle Burkiner und Freunde von Burkina Faso ohne Unterscheidung von Religion und Nationalität gerichtet.

Die Antworten müssen unter Berücksichtigung des dreidimensionalen Ansatzes: „Diplomatie, Entwicklung und Verteidigung“ (US-Ansatz im Kampf gegen den Terrorismus) kollektiv und integrativ sein. Auf gemeinsamer, nationaler Ebene kann dieser Ansatz in „Bildung, Entwicklung und Sicherheit“ umgewandelt werden.

Dies erfordert einen nationalen Konsens, weil Risse innerhalb des inneren sozialen Gefüges die Infiltration von äußeren schädlichen Elementen begünstigen. Solange die Menschen sich ungerecht behandelt, diskriminiert und vom Prozess der Vertiefung der Demokratie ausgeschlossen fühlen, sind die Risiken der Destabilisierung groß. Wahre Sicherheit beginnt im Inneren. Eintracht und nationaler Zusammenhalt sind der Zement von Frieden und Entwicklung. Die Burkiner müssen ihre Verflechtung und die Wechselbeziehungen untereinander akzeptieren, um einen neuen Impuls für das Zusammenzuleben in Vertrauen und Brüderlichkeit zu schaffen.

Der Präsident von Faso pflichtete nach der Geiselnahme in Ouagadougou am 15. Januar 2016 dem bei: „Ich bin überzeugt, dass wir in nationaler Einheit und im Zusammenhalt siegreich aus diesem Krieg hervorgehen werden, mit dem sie unser Volk und alle anderen Völker der Welt überziehen wollen, weil wir alle den Frieden und die Freiheit lieben.“ 

Dr. Poussi Sawadogo, Diplomat, Forscher und Lehrer in Lefaso.net vom 24.08.17  /  Übersetzung: Christoph Straub