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    1995 -2015  

 

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25 Jahre DBFG

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Titel

Jede Person in Burkina Faso ist religiös

Bedeutung der Religion für die Einheit des Landes

„Dass ein Mensch wie bei euch in Deutschland keine Religion hat, kann man sich in Burkina Faso überhaupt nicht vorstellen“, ist einer der Kernsätze von Bouma, der in den neunziger Jahren eine Ausbildung bei der Firma Höchst in Frankfurt absolviert hat und die Lebensumstände in Deutschland sehr gut kennt.

Im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern leben die Burkinabè trotz unterschiedlicher Stammeszugehörigkeit in über 60 unterschiedlichen ethnischen Gruppen sehr solidarisch miteinander. So gibt es z.B. Beziehungen zwischen den Mossi und Samo, wie auch zwischen den Gurunsi und Bissa oder den Peuls und den Bobos. Die Stämme respektieren sich gegenseitig, was ein Zusammenleben erleichtert. Es spielt dabei keine Rolle, ob man Arzt oder einfacher Bauer ist. Weil jeder diese Tradition respektiert, gibt es auch nur wenige ernsthafte Streitereien zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen.

Nicht nur zwischen den Stämmen, sondern auch zwischen den unterschiedlichen Religionen herrscht ein großer Respekt. In Burkina Faso kann es sogar sein, dass innerhalb einer Familie mehrere Religionen ausgeübt werden. BouReligion1ma: „So kommt es nicht selten vor, dass in einer Familie der Vater aus der Naturreligion (indigene Religion) kommt und die Mutter ist Protestantin. Das erste Kind ist auch Protestant, das zweite Kind Katholik, das dritte Kind vielleicht sogar Muslim und trotzdem leben alle friedlich miteinander“.

Der überwiegende Teil der Burkinabè glaubt trotz offizieller Religionszugehörigkeit an die Naturreligion. Das bedeutet, dass der Mensch zwar von Gott erschaffen wurde, jedoch irgendwo her ganz konkret kommen muss. Sein Geist ist demnach intensiv mit der Natur verbunden. Dies kann ein Fluss, ein Baum, ein Berg oder ein Tier sein. Diese Verbundenheit hat auch Einfluss auf die Namensgebung. Wenn eine Frau schwanger ist, geht der Vater zu einem Hellseher, um zu erfahren, welches Geschlecht das ungeborene Kind hat. Auch fragt der Vater, welchen Namen er seinem Kind geben soll. Der Hellseher verrät dem Vater dann, dass das Kind z.B. mit dem Geist eines bestimmten Baumes verbunden ist. So erhält das Kind den Namen dieses Baumes.

„In der Naturreligion glaubt man daran, dass der Mensch zu klein ist, um mit Gott direkt sprechen zu können“, so Bouma Bazie. Deshalb muss man erst Kontakt zu dem Geist des eigenen Vaters aufbauen, dieser hat den Kontakt zu dem Geist des Großvaters und dieser wiederum zu den Ahnen. Sie werden als Schutzgeister angesehen, die den Menschen helfen und den Religion2Kontakt zu Gott herstellen. Dies gelingt jedoch nur durch die Natur, z.B. an einem Fluss, an einem Baum oder an einem Tier. Man glaubt daran, dass man durch den Vater auf die Welt gebracht wurde und demnach auch nur so der Weg wieder zurück zu Gott führen kann. Im Alltag durchdringen die Religionen alle Lebensbereiche und das Handeln der Menschen wird dadurch nachhaltig beeinflusst. Für einen Burkinabè ist es kein Widerspruch, neben der Naturreligion gleichzeitig Muslim oder Christ zu sein. Die Religion stellt die Verbindung her zwischen der diesseitigen und der metaphysischen Welt, die alle Lebensbereiche durchdringt.

„Unabhängig davon, ob man an die Naturreligion glaubt oder nicht oder welchem Stamm man angehört, gibt es Dinge, die in einem Stamm verboten sind“, erläutert Bouma Bazie. So gibt es Stämme in denen man bestimmte Tiere nicht essen darf. Z. B. darf ein Stamm einen bestimmten Fisch nicht essen. Man glaubt daran, dass dieser Fisch einem der Ahnen das Leben gerettet hat. Dieser sei in den Fluss gefallen. Weil dieser nicht schwimmen konnte, rettete der Fisch ihm das Leben, indem er ihn wieder ans Ufer brachte. Aus Dankbarkeit versprach er dem Fisch, dass er und seine Nachkommen ihm und dessen Nachkommen niemals weh tun werden. Diese Regeln müssen respektiert werden. Auch darf man nicht mit einer verheirateten Frau fremdgehen. Ein verheirateter Mann darf mit einem Mädchen fremdgehen oder sich eine zusätzliche Frau nehmen. Aber mit einer Frau, die bereits verheiratet ist, ist das verboten. Wenn man wissentlich gegen die Verbote verstößt, kann man verflucht werden. Wenn man verflucht wird, hat man bis zu seinem Lebensende keinen Erfolg mehr im Leben oder im Beruf. Um einen solchen Fluch auszusprechen, muss man jedoch selbst davon überzeugt sein, diese Macht über einen anderen Menschen zu haben. Auch muss die Person tatsächlich bewusst Fehler begangen haben, damit dieser Fluch eintritt. Wer diese Regeln jedoch respektiert, muss keine Angst haben, da in diesem Fall ein Fluch wirkungslos bleibt.

Die gemeinsame religiöse Basis ist der Garant, dass die politischen Verhältnisse trotz einer großen Anzahl unterschiedlichster ethnischer Gruppen und Sprachen stabil blieben.

Stefanie Marhoffer und Manfred Weidner, FOCUS Viernheim

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