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Titel

Die DBFG - mein ganz persönlicher Rückblick nach 25 Jahren

Alles beginnt mit einer Reise und einem Reisebericht. Es ist Mitte der 80er Jahre, viele von uns deutschen „Afrikanern" werden mitgerissen von einer afrikanischen Revolution. In Obervolta - welch schrecklicher kolonialer Name - haben junge Militärs den Staat übernommen und begeistern mit ihrem sozial-revolutionären Programm nicht nur die dortige Jugend, sondern auch in Europa die antikoloniale Linke.

1984 erhält das Land den Namen „Burkina Faso" - „Land der aufrechten Menschen", - welch ein Projekt!

Partnerschaften und Freundschaften beginnen, in Frankreich und auch in Deutschland. Dann 1987 die Katastrophe: Die Revolution frisst ihre Kinder: Thomas Sankara, der charismatische und überzeugende Präsident ermordet, von seinem Freund und Mitstreiter Campaoré (dem Auftraggeber für den Mord?) beerbt. Was nun?

Seit 1985 hat auch meine Stadt Uelzen in der Lüneburger Heide gemeinsam mit unseren Franzosen aus Rouen eine Partnerschaft mit der Region Tikaré in Burkina Faso; wir waren dort, Afrikaner hier zu Besuch, Projekte sind gestartet.

1988 mache ich mich mit meinem Sohn (14) in einem alten VW Bus auf den Weg durch Europa, die Sahara und den Sahel nach Tikaré. Die Region liegt fast im Zentrum von BF, rund 120 km nördlich der Hauptstadt Ouagadougou. Die Reise dauert gute sechs Wochen und nach der Rückkehr schreibe ich für die Lokalpresse einen Reisebericht. Dieser Bericht findet seinen Weg zu Dietrich Rühl, der im Auftrag einiger Honorarkonsuln Burkina Fasos in Deutschland ein Infoblättchen, die „Sahel Informationen aus dem Nigerbogen" herausgibt und verschickt. So gerate ich in die Gemeinschaft der Burkina Interessierten hierzulande und lerne bei zwei Treffen in Berlin unterschiedlichste Menschen kennen, die auf vielfältige Weise die Beziehungen zu dem Land pflegen.

Wenig später steht das verbindende Infoblättchen vor dem Aus, das bestehende Netzwerk vor dem Zerfall. Einige Konsuln und Partnerschaftsvereine ergreifen die Initiative und laden in Nord und Süd zu Treffen ein, die Gründung einer Freundschaftsgesellschaft wird vorbereitet. Daran beteilige ich mich aktiv und in Beim beschließt das Nordtreffen: Man ist dabei. Am 29. September 1990 findet in Bonn die Gründungsversammlung statt, ein Amt im Vorstand strebe ich nicht an, es gibt genug Interessenten, die sich präsentieren.

Zwei Jahre später ist MV in Herzogenaurach, es kommt zum Eklat, als der Vorsitzende die Botschafterin Frau Sow brüskiert. Man muss verstehen, dass vor dem Hintergrund der Entwicklung in BF, wo die sozialen Veränderungen aus der Sankara-Zeit verwässert werden und Campaoré sich zum neokolonialen Diktator entwickelt, auch bei den deutschen Freunden des Landes die Nerven blank liegen. Aber die Partnerschaften bestehen weiter und zusammen mit den Partnern möchten wir so viele der guten Ansätze retten wie möglich. Die Konfrontation mit der Botschafterin ist keine hilfreiche Lösung. Die DBFG schlägt eine ungute Richtung ein. Für den Vorstand wird ein neuer Schriftführer gesucht, ich nehme die Wahl an. Die Vorstandssitzungen verlaufen teils chaotisch, Streit über die Aktivitäten der DBFG, die Finanzen und das nicht umsetzbare Projekt der zweisprachigen Zeitschrift Yibeogo bestimmt die Diskussion. Persönliche Animositäten kommen hinzu, so macht das keinen Spaß. Ein Jahr später ist der Vorstand am Ende, der Vorsitzende stellt seine Mitarbeit ein. Machen wir weiter? Die Vernunft siegt und wir kommen zunehmend zu einer sachlichen Zusammenarbeit. Die MV 1994 in Ladenburg wählt mich zum Vorsitzenden, obwohl ich gar nicht teilnehme; ich erfahre erst Monate später in Ouagadougou davon. Dort besuche ich M. Maiga, den Vorsitzenden der Burkinisch-Deutschen Freundschaftsgesellschaft AABA und - welche Überraschung -der ehemalige Vorsitzende der DBFG ist auch da! So beginnt die Geschichte - welches sind nun die wichtigsten Erinnerungen an die folgenden zwanzig Jahre?

Erst einmal ist es nötig, Ruhe einkehren zu lassen und sowohl im Vorstand als auch im Bezug zu den Partnern der DBFG (Mitglieder, Vereine, Konsuln, Botschaft) eine partnerschaftliche Atmosphäre zu schaffen, damit die DBFG ihre selbst gestellten Aufgaben erfüllen kann. Schwerpunkte sind die Organisation der regelmäßigen Vorstandstreffen und der jährlichen Mitgliederversammlungen, Einladungen zu Terminen der Konsuln und der Botschaft stehen ebenfalls auf dem Programm. An erster Stelle aber steht unser Mitteilungsblatt, der Mitgliederrundbrief, die heutige Burkina-Info. Nach der Aufgabe des Yibeogo-Projektes ist der Rundbrief die Zeitschrift mit Informationen über die DBFG, die Arbeit unserer Partnerschaften, aber auch über das Land Burkina Faso und die Region. Zusätzlich finden auch Themen aus der jeweiligen entwicklungspolitischen Diskussion ihren Platz. Als Afrikanist kann ich mich in Geschichte und Gegenwart Westafrikas vertiefen, Kultur, Politik und Wirtschaft beobachten und gelegentlich darüber schreiben, ohne einen passenden Beruf gewählt zu haben. Darin gehe ich auf, das macht viel Freude und verschlingt meine Zeit.

Die Zeitschrift braucht „Macher", einen Redakteur, der die Inhalte sichtet, ordnet, eventuell auch sucht und überarbeitet, dann kommen das Lay-Out, der Druck und der Versand. Kaum ist eine Ausgabe fertig, dann beginnt schon die Arbeit an der nächsten. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch einmal all denen ganz herzlich danken, die über lange Jahre als Teams oder Einzelkämpfer weder Zeit noch Mühe gescheut haben, um das Erscheinen von bis heute 63 Rundbriefen und Burkina-Infos möglich zu machen. Sie machen zweifellos den „Kern" der DBFG aus. An zweiter Stelle stehen die Geschäftsführung der Gesellschaft, also die Finanzen, die Mitgliederverwaltung und die vereinsrechtliche Führung aller Dokumente bis zum jeweiligen Jahresabschluss. Mein großes Glück ist es, auch hier immer wieder Menschen zu finden, die engagiert und effektiv arbeiten und oft langjährig diese Aufgabe er-füllen.

Ein drittes sind die Aktionen der DBFG, die teils mit erheblichem finanziellem Risiko durchgeführt werden. Die erfolgreiche Tournee der Musikgruppe Kiensé durch viele deutsche Orte kann erst nach dem Rücktritt des risikoscheuen damaligen Schatzmeisters starten. Die Präsentationsreise eines burkinischen Bronzegießers durch etliche Partnerschaften ist eine logistische Herausforderung und auch die mit organisierte Masken- und Kunstausstellung in verschiedenen Orten erfordert erheblichen Aufwand.

Dazu kommen die Teilnahme an der EXPO 2000, am Regionaltreffen in Nürnberg, der immer wieder neu zu beginnende Kontakt zu Burkinern in Deutschland, die Begrüßung und Verabschiedung von Botschaftern und der Besuch des Präsidenten in Berlin. Die jährlichen Treffen zu den Mitgliederversammlungen, überwiegend bei den unterschiedlichen Partnerschaftsvereinen, jedes Mal eine kleine Herausforderung für alle, immer interessante Begegnungen und informelle Gespräche, die Angst vor zu wenig Teilnehmern und die Erkenntnis der Vielfalt der Beziehungen und der handelnden Menschen.

Etwas zu kurz kommen Begegnungen mit organisierten Gruppen in Burkina Faso. Liegt es an meiner Abneigung gegenüber Flugreisen oder an meiner Scheu vor selbstbewussten Auftritten in BF? Dieser Aspekt hat keinen Stellenwert und der Vorsitzende steht eher selten im Rampenlicht. Meine privaten Reisen nach Burkina haben keinen offiziellen Charakter, es treibt mich nicht in Botschaften oder Ministerien, Besuche von Freunden stehen im Vordergrund.

Bedrückend empfinde ich immer noch das Treffen mit Compaoré in Berlin, zu dem ich mich für die DBFG verpflichtet fühlte. Vorstellung, Hand schütteln, einige Worte, danach stößt er beim Gestikulieren während der Ansprache das Bierglas um, Dao wischt den Tisch ab - besser, ich wäre dort nicht hingefahren.

Sehr angenehm und bereichernd für mein Leben ist die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Vorstandsteams unserer Gesellschaft, mit Damen und Herren, die alle meistens persönliche Befindlichkeiten hintenan und die gemeinsame Aufgabe in den Vordergrund stellen können. Aber auch Zweifel an dem Sinn der Dinge, die wir tun, tauchen ja mal auf. Das Gespräch mit Vorstandsmitgliedern, denen die Motivation verloren geht, die dann aufhören und sagen: „...es bringt doch alles nichts..." machen nachdenklich.

Auch in der DBFG braucht man den Glauben an das, was man tut, wofür man seine Zeit und Kraft einsetzt.

Meine ganz persönliche Bilanz nach 25 Jahren mit der DBFG lautet:

Die Freundschaft zu den Menschen ist es allemal wert, sich zu engagieren. Der Besuch von Freunden aus BF und bei Freunden in BF ist die Bereicherung des eigenen Lebens. Dafür lohnt sich der Einsatz, denn in dieser einen Welt gehören wir alle zusammen und dafür leistet auch die DBFG ihren bescheidenen Beitrag.

Hans Peter Hauschild      

 

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