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Titel

Die Rolle der Vereine in der Entwicklungspolitik

 

Zusammenfassung des Festvortrages anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Deutsch-Burkinischen Freundschaftsgesellschaft e.V.

 

Richtig zu helfen ist äußerst anspruchsvoll. Wir kennen das aus den Diskussionen über unsere deutsche Sozialpolitik und derzeit besonders über den richtigen Umgang mit den vielen Flüchtlingen. Was letztere – aus Afrika – betrifft, so ist ja eine oft gehörte Meinung, wir sollten dadurch helfen, dass wir die Lebensverhältnisse in den Herkunftsländern verbessern.

Versuchen wir das nicht seit mehr als einem halben Jahrhundert?

Haben wir etwas falsch gemacht?

 

Scan 1Wer ist unser Gegenüber, wenn wir uns in Afrika engagieren?

Statistische Aussagen helfen kaum weiter, weil die meisten Angaben wenig „belastbar“ sind. Entsprechend unterschiedlich sind die Einschätzungen: Krisenkontinent oder Chancenkontinent, aufblühende Wirtschaft oder Verharren im Elend – was stimmt?

 

Fest steht, dass die meisten Länder Subsahara-Afrikas auf den untersten Plätzen der internationalen Entwicklungsverzeichnisse (UNDP/HDI, LDC, Weltbank/Ease of Doing Business usw.) zu finden sind.

 

Verallgemeinernd kann man sagen:

Die meisten Länder leiden unter

- miserablen Regierungen, deren Mitgliedern das Wohl ihrer Völker weniger

am Herzen liegt als ihre Schweizer Bankkonten.

- schlecht funktionierenden Verwaltungen,

- Vergeudung öffentlicher Güter: Technische Anlagen, Infrastruktur (u. a. Straßen, Stromnetze) werden nicht unterhalten und verkommen.

- mangelhaftem Schul- und Gesundheitswesen,

- schwieriger Ernährungslage,

- erheblicher Bedeutung eines Geisterglaubens, der Entwicklung behindert.

 

Bessere Schulen, Krankenhäuser, Infrastruktur müssen bezahlt werden.

Wovon? Von Entwicklungshilfe? – Doch wohl nicht!

Von höherer eigener Wirtschaftsleistung!

Die Weltregion mit der größten Steigerung der Wirtschaftsleistung in den letzten Jahrzehnten ist Ostasien. An einer zunehmend starken Position auf dem Weltmarkt

war das auch zu erkennen – erarbeitet nicht durch Export von Bodenschätzen, sondern von Industrieprodukten.

 

Afrika produziert so gut wie nichts, das auf dem Weltmarkt verkäuflich ist, nicht einmal einfachste Geräte oder verarbeitete (!) Rohstoffe. Die in diesem Zusammenhang immer wieder zitierten „Handelshemmnisse“ sind in aller Regel nicht von außen auferlegte, sondern selbstgemachte (Zölle, unbrauchbare Transportwege etc.).

 

Wer könnte die wirtschaftliche Mehrleistung organisieren? In Ostasien waren und sind es entwicklungsorientierte Regierungen. In Afrika gibt es die kaum.

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Nach unserem Verständnis müssten Unternehmer die Mehrleistung organisieren, aber die Zahl moderner und effizient arbeitender Unternehmer ist in Afrika verschwindend gering.

 

Es gibt aber auch kaum Politiker, die Unternehmerisches wirksam fördern.

 

Seit mehr als einem halben Jahrhundert läuft die Entwicklungshilfe. Nach dem Subsidiaritätsprinzip, dem Grundgesetz jeder Hilfe, ist ihr wichtigster Zweck , die Empfänger so bald wie möglich unabhängig von Hilfe zu machen. Je länger Hilfe gewährt wird, desto wahrscheinlicher ist, dass das Gegenteil passiert: Die Abhängigkeit steigt. Das ist der schlimmste Schaden, den unsere Entwicklungshilfe angerichtet hat.

 

Wenn die Dinge so weiterlaufen wie bisher, werden wir in hundert Jahren immer noch Hilfe für Afrika geben - eine absurde und die Würde der Afrikaner verletzende Aussicht.

Nach Einschätzung der Unterzeichner des „Bonner Aufrufs“ www.bonner-aufruf.eu

sind die Erwartungen, die mit der Entwicklungshilfe verbunden waren, bei weitem nicht erfüllt worden. Sie hat in Afrika weitgehend versagt. Die Abhängigkeiten, die sie erzeugt hat, haben die Eigeninitiative der Afrikaner geschwächt.

 

Der burkinische Präsident Thomas Sankara hat das vor 30 Jahren klar erkannt. Afrika braucht hundert Sankaras.

 

Die Mitglieder der DBFG betreiben in der Regel kleine Projekte. Allerdings haben sie es mit den gleichen gesellschaftlichen Verhältnissen und Bedingungen in ihren Partnerländern zu tun wie die „Großen“ (Weltbank, GIZ, Welthungerhilfe, Misereor usw.): mit enormen wirtschaftlichen und kulturellen Unterschieden zwischen Gebern und Nehmern. Ob Groß oder Klein - für Menschen dort sind wir immer die Reichen.

 

Kleine Organisationen wie die der DBFG haben gegenüber den Großen Vorteile:

- Die Projekte sind überschaubarer.

- Sie haben es nicht mit großen Verwaltungen zu tun und sind dadurch beweglicher und leichter steuerbar.

- Das Kosten-Nutzen-Verhältnis dürfte günstiger sein.

- Der Kontakt mit der afrikanischen Bevölkerung ist direkter und persönlicher. Die besonders von Politikern gern zitierte „Begegnung auf gleicher Augenhöhe“ ist eher möglich als bei großen Organisationen..

 

Dem stehen Nachteile entgegen:

- Kleine deutsche NRO’s haben meistens keine eigenen ständigen Vertreter vor Ort. Dadurch ist die Kontrolle schwieriger.

- Die Suche nach kompetenten und zuverlässigen afrikanischer Partnern führt oft zu Enttäuschungen und materiellen Verlusten.

- Mitgliedern hiesiger NRO’s fehlt es häufig an Kenntnissen für die Arbeit unter den erwähnten wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen.

Guter Wille reicht nicht.

 

Für Entwicklung braucht man

1. Fähigkeiten (durch Bildung)

2. Mittel ( materielle, finanzielle, z. B. durch Kleinkredite)

3. Freiheit (zu gestalten)

4. Willen (zur Entwicklung)

 

Hilfe von außen ist nur möglich bei den ersten beiden Punkten.

 

Was wir für andere tun, ist nie Entwicklung. Sie entsteht nur durch das, was Menschen und Gesellschaften selber leisten. Das dürfen wir Ihnen nicht abnehmen. Deswegen ist das Subsidiaritätsprinzip stets streng anzuwenden.

Es ist reizvoll, sich in Afrika in der Entwicklungshilfe zu engagieren.

 

Erstens macht richtige Hilfe Freude, und zweitens erweitert sie den Horizont. Wir

müssen nur aufpassen, dass dies den nüchternen Blick auf das entwicklungspolitisch Gebotene nicht verstellt.

Kurt Gerhardt 

 

Kurt Gerhardt war von 1968 bis Ende 2007 Journalist im WDR-Hörfunk. Als früherer Landesbeauftragter des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) im westafrikanischen Niger kennt er die Problematik der Afrikahilfe aus eigener Anschauung. Er gehört zu den Mitbegründern der politischen Initiative „Grundbildung in der Dritten Welt" und des Vereins „Makaranta e.V." zur Förderung der Grundbildung in Afrika. Er ist außerdem Mitinitiator des „Bonner Aufrufs für eine andere Entwicklungspolitik!“

 

Hier finden Sie Sie nochmals einen Text von Kurt Gerhard aus der BURKINA-INFO 1/13:

Warum die Helfer in Afrika versagen

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