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Welche Rolle spielte Gilbert Diendéré beim Mord an Thomas Sankara?

General Diendéré ist bereits wegen seines misslungenen Putsches gegen die Übergangsregierung angeklagt. Jetzt wird er zusätzlich von der Militärjustiz im Fall des Mordes an Thomas Sankara verfolgt. Welche Rolle hat Diendéré in dieser Staatsaffäre gespielt? Versuch einer Antwort…

Sein Name tauchte regelmäßig auf, wenn vom Mord an Thomas Sankara die Rede war. Aber durch seine herausragende Stellung als rechter Arm von Blaise Compaoré und als allmächtiger General des Compaoré-Regimes wurde Gilbert Diendéré in dieser Affäre niemals direkt belangt. Sein Putschversuch gegen die Übergangsregierung hat nun die Karten neu gemischt. Als Untersuchungshäftling im Militärgefängnis (Maca) in Ouagadougou sieht sich »Gilbert« heute elf Anklagepunkten gegenüber – darunter auch »Verbrechen gegen die Menschlichkeit« – im Rahmen der Ermittlungen über seinem Putschversuch, Mitte September 2015.

Seit dem 12. November wird er auch von der Militärjustiz verfolgt, wegen »Attentat, Mord und Leichenschändung« im Fall Thomas Sankara. Für den General Diendéré ist dies ein harter Schlag. Für seine Gegner und die Familie Sankara ist diese Anklage dagegen ein Versuch der Wahrheitsfindung – 28 Jahre nach dem Verschwinden des früheren Revolutions-Präsidenten unter immer noch ungeklärten Umständen.

Diendéré hat in dieser Sache nur einmal ausgesagt

Am 15. Oktober 1987, während eines Treffens mit den ihm Nahestehenden im Conseil de l'Entente, dem Sitz des Nationalrats der Revolution (CNR) und Machtzentrum der Sankara-Regierung in Ouagadougou, wird Thomas Sankara von einem Kommandotrupp bewaffneter Männer erschossen. Seine vermutete Leiche und die seiner zwölf mit ihm erschossenen Kameraden sollen anschließend im Friedhof von Dagnoë im Osten der Hauptstadt auf die Schnelle verscharrt worden sein. Die sechs Angreifer – Nabié N’Soni, Arzoma Otis Ouédraogo, Nacolma Wanpasba, Ouédraogo Nabonsmendé, Tondé Kabré Moumouni und Hyacinthe Kafando – sind allesamt Kommandosoldaten, die im nationalen Zentrum für Kommando-Ausbildung (CNEC) in Pô ausgebildet wurden. Sie stehen unter dem Befehl von Blaise Compaoré und seines treuen Helfers Gilbert Diendéré.

Offiziell war der erstere während des Tathergangs krank zuhause. Diendéré kam erst nach dem Blutbad an den Tatort. In 28 DienbéléJahren hat sich »Gilbert«, der Schweigsame, nur ein einziges Mal zu seiner Rolle an diesem 15. Oktober 1987 geäußert: gegenüber dem Belgier Ludo Martens, Autor des Buches Sankara, Compaoré et la révolution burkinabè (1989).

»Man musste Sankara stoppen«

In diesem Buch bekräftigt Diendéré, dass er die Absicht hatte, Sankara wegen der starken Spannungen an der Spitze des Staats zu verhaften, ihn jedoch keinesfalls töten wollte. Nach seiner Aussage sei die Sache schief gelaufen: »[… wir waren darauf hingewiesen worden] dass Compaoré, Lingani und Zongo an diesem Abend verhaftet werden sollten. [...] Unsere Reaktion war, dass man Sankara stoppen musste, bevor irreparable Schäden entstünden […] Wie immer hatte Sankara seine Waffe, eine Automatik-Pistole, in der Hand. Er hat sofort geschossen und einen unserer Männer getötet. In diesem Moment sind alle die anderen Männer ausgerastet.«Diese einzige Zeugenaussage wurde seither von einigen Blaise Compaoré und Gilbert Diendéré getreuen Kommandokräften stark in Frage gestellt. Im Schutz der Anonymität sagten sie aus, dass ihr Befehl lautete: »Neutralisiert Sankara« und, falls er sich wehrt, »vernichtet ihn«.

»Thom’Sank’«-Nahestehende und seine Familie warten seit mehr als einem Vierteljahrhundert, dass General Diendéré, die »Black-Box« des Compaoré-Regimes, endlich seine Version des Tathergangs liefert. Der wahrscheinlich stattfindende Prozess könnte ihnen vielleicht demnächst Befriedigung verschaffen. Im Mordfall Sankara wurden übrigens noch weitere acht Personen angeklagt. Unter ihnen befinden sich auch vier Militärs, die verdächtigt werden, am Mord beteiligt gewesen zu sein und die im Militärgefängnis Maca inhaftiert sind.

Benjamin Roger in Jeune Afrique vom 08.12.15  /  Übersetzung: T.V. Berger

 

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