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    1995 -2015  

 

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25 Jahre DBFG

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Titel

Ein Brief von Herrn Dao

Liebe Mitglieder und Freunde der Deutsch-Burkinischen Freundschaftsgesellschaft,

liebe Grüße an Sie alle und herzliche Glückwünsche zum Jahrestag der Gründung unserer Deutsch-Burkinischen Freundschaftsgesellschaft (DBFG) vor 25 Jahren in Bonn. Ich nutze schon jetzt diese Gelegenheit, um Ihnen allen für die große Ehre aufrichtig zu danken, die mir zuteil wurde mit der Bitte, ein paar Worte über diese 25 Jahre zu schreiben.

Nach ihrer Abberufung ist die Frau Botschafterin am 06. Mai 2015 nach Burkina Faso zurückgeflogen. Auch sie hat mich darum gebeten, Ihnen allen, von denen sie sich nicht mehr persönlich verabschieden konnte, ihre lieben Grüße auszurichten, auf Wiedersehen in Ouagadougou zu sagen, wo ihre Tür Ihnen jederzeit offen steht. Sie bedankt sich ebenfalls für alles, was Sie für unser Land Burkina Faso und seine Menschen tun.

Ja, liebe Freunde, unsere DBFG ist schon 25 Jahre alt und so schnell vergeht nun mal die Zeit. Aber jedes Mal, wenn ich an den Gründungstag zurück denke, und das tue ich sehr oft, kommt es mir vor, als wäre es gestern gewesen. Warum? Weil damals ein lang gehegter Traum von mir dadurch Wirklichkeit wurde. Was für ein Traum das war, wird im Folgenden deutlich. Aber vorher möchte ich mit dem anfangen, wie alles angefangen hat, wie ich mit der deutschen Sprache, mit Deutschland und schließlich mit Ihnen in Berührung gekommen bin.

 

Als meine Generation in die dritte Klasse am Gymnasium kam, wurde mit uns Deutsch als Unterrichtsfach eingeführt. Wir hatten damals viel Glück, weil einen sehr guten Deutschlehrer bekamen. Das hat bei mir und anderen Mitschülern ein großes Interesse für diese bekannt „sehr schwierige" Sprache weckt. So sagte er uns gleich Beginn: „Wenn ihr eine Sprache wie Deutsch beherrschen wollt, so müsst ihr zuallererst die deutsche Grammatik beherrschen“. Am Ende dieses Schuljahrs kannte ich alle starken und halbstarken Verben auswendig. Als wir im Abiturjahr danach gefragt wurden, was wir denn gern studieren möchten, gab ich an: Medizin, Diplomatie und Deutsch an letzter Stelle. Nach dem Abitur bekam ich ein burkinisches Stipendium für Deutsch an der Universität von Lomé in Togo.

Da das Studium der Germanistik von der Bundesrepublik Deutschland finanziert war, war es so gestaltet, dass wir nur bis zur Zwischenprüfung in Lomé studieren konnten. Danach hielten wir ein deutsches Stipendium, um unser Studium der Universität von Saarbrücken abzuschließen. Und so entstand mein erster Kontakt Deutschland und den Deutschen und ich konnte somit täglich Deutschsprechen üben.

Zugegeben: dieser Kontakt und vor allem der Umgang mit den deutschen waren am Anfang nicht leicht für mich, denn ich wurde sehr oft zu meiner großen Irritation mit Gesprächen unter anderem wie diese konfrontiert: „Wo Du kommen? Kenia? Mombasa?" Ich antwortete immer: „Nein! Ich komme aus Obervolta. Und Sie? Woher kommen Sie?". Die Reaktion auf meine Antworten war stets die gleiche, nämlich: Ich bin Deutscher". Statt auf meine Frage „und wie kommt es, dass Sie so schlecht Deutsch sprechen" zu antworten, reagierten viele eher in der Art, um nur ein Beispiel zu geben, an das ich mich immer noch sehr gut erinnere: „Sie sprechen aber sehr gut Deutsch. Wo haben Sie das gelernt? Sie kommen aus Oberwas? Wo liegt denn das? In Südafrika?"

Solche Gespräche hatten mich oft nicht nur irritiert, sondern vor allem viele Fragen in mir ausgelöst, denn ich wollte unbedingt wissen, was den Menschen hier überhaupt über Afrika erzählt wurde, um sich so zu verhalten. Darum hatte ich nach der Lizenz in Germanistik (entspricht in etwa dem ersten Staatsexamen) vor, eine Magisterarbeit mit dem Thema „Die afrikanische Vierte Welt am Beispiel Obervoltas im Spiegel der deutschen wissenschaftlichen Literatur" zu schreiben. Aber da mein Stipendium nicht verlängert wurde, begann ich trotzdem meine Magisterarbeit und das Studium der Politikwissenschaft und besuchte dementsprechend viele Vorträge und Seminare über Entwicklungspolitik und Entwicklungsländer.

Dieses kombinierte Studium hat mir sehr geholfen, die Aufnahmeprüfung der Diplomatischen Akademie in Wien zu bestehen, wo ich eine zweijährige Ausbildung (1984-1986) zu absolvierte. Da das Diplom der Akademie höher bewertet wurde als eine Magisterarbeit, begann ich nach meiner Rückkehr in Saarbrücken selber bei Hilfsorganisationen und -vereinen hauptsächlich Vorträge über Burkina Faso zu halten. Diese Tätigkeit hat mich quer durch Deutschland geführt und mir sehr geholfen, Deutschland und seine Menschen mit anderen Augen zu sehen. Es war vor allem sehr beeindruckend und lehrreich für mich festzustellen, dass es in Deutschland so viele Menschen aller Altersstufen und aller Schichten, sogar Kinder, kranke oder ältere Menschen, gibt, die, obwohl viele von ihnen selber eigene Probleme haben, sich dennoch aufopferungsvoll und bedingungslos für andere Menschen in ärmeren Ländern wie Burkina Faso interessieren, engagieren und denen helfen, wo und wie sie auch immer können. Ich habe das damals sehr gern gemacht, weil ich selber dabei sehr viel dazu gelernt und sehr viele Freundschaften gefunden habe, die bis heute noch halten.

Ich habe erst damit aufgehört, als der damalige Botschafter von Burkina Faso, Herr Moumouni Fabre, mich als Dolmetscher und Übersetzer einstellte. Herr Fabre und ich waren in Parallelklassen am Gymnasium und studierten beide Germanistik, teilweise auch zusammen in Saarbrücken. Er wusste von meinem Engagement und nahm mich deshalb oft mit zu Veranstaltungen der Partnerstädte, was mein Horizont zusätzlich erweiterte.

Liebe Freunde,

durch Ihre grenzenlose Hilfsbereitschaft und großes Engagement sind in Burkina Faso tausende von Schulen, Krankenstationen und Brunnen gebaut, viele Freundschaften geschlossen und vielfaltige andere Hilfsprojekte realisiert worden. Das kann ich so behaupten, weil ich viele dieser Projekte mit eigenen Augen gesehen habe. Denn als der leider viel zu früh verstorbene Afrika-Journalist Walter Michler Material für sein Buch „Weißbuch Afrika" suchte, nahm er mich mit nach Burkina Faso, Benin und Togo, wo wir viele der mit Ihrer Hilfe und gegebenenfalls auch mit der Hilfe Ihrer französischen Partner verwirklichten Projekte besichtigten und zahlreiche Interviews geführt haben. Es sind da überwältigende Leistungen, für die das burkinische Volk Ihnen nie genug danken kann.

In diesem Zusammenhang möchte ich nun mit einer Bitte an Sie treten. Obwohl ich seit so vielen Jahren in Deutschland lebe und mich sehr für die Partnerschaften interessiere, hatte ich es bisher abgelehnt, eine Partnerschaft auch für mein eigenes Dorf zu suchen. Sie werden sich sicherlich fragen warum. Weil ich mich jahrelang auf keinen im Dorf verlassen konnte und ich hatte Angst, dass dem Dorf eventuell zur Verfügung gestellte Gelder und Material falsch eingesetzt oder gar veruntreut werden könnten. Aber das hat sich mittlerweile stark geändert; denn durch meine Sensibilisierung und auf mein Drängen haben sich diejenigen aus dem Dorf, die eine akademische Ausbildung genießen durften, zusammen gesetzt und einen „Verein für die Entwicklung von Nanou" gegründet. Nanou heißt mein etwa 2.000 Einwohner zählendes Dorf, das auf dem halben Weg zwischen Ouagadougou und Bobo-Dioulasso liegt. Ich bitte deshalb jeden von Ihnen, uns dabei zu helfen, einen geeigneten Partner zu finden.

Nun komme ich endlich zum Thema des Tages, zum Geburtstagskind DBFG. Wie ich gleich zu Beginn sagte, hatte ich mich über die Gründung, des Vereins vor 25 Jahren aus vielen Gründen sehr gefreut. Einer davon war meine Feststellung, dass während wir in der Botschaft die meisten deutschen Partnerschaftsstädte und -vereine persönlich kannten, unterhielten diese dagegen kaum oder gar keinen Kontakt untereinander. Denn jedes Mal, wenn wir in einer Partnerstadt waren und von den anderen Partnerschaften sprachen, wurde uns sehr oft gesagt, man hätte zwar gehört, dass es viele anderen Städte geben würde, welche ebenfalls in Burkina Faso intervenieren, aber man kenne einander nicht.

Ich war inzwischen, neben meinen anderen Tätigkeiten, auch Partnerschaftsbeauftragter in der Botschaft. Und als solcher war ich daher der Auffassung, dass Kontakte untereinander nur von Vorteil sein könnten. Denn dadurch würde man seine eigenen Erfahrungen aus der Partnerschaftsarbeit mit den anderen teilen, vor allem jungen Partnerschaften helfen, Fehler zu vermeiden. Ich hatte mit den Partnern deshalb oft über die Notwendigkeit dieser Kontakte gesprochen. Zu meiner großen Freude begann tatsächlich allmählich die Suche nach der Art und Weise dieser Kontaktherstellung und führte schließlich, wie wir heute wissen, zur Idee der Gründung der Deutsch-Burkinischen Freundschaftsgesellschaft vor 25 Jahren in Bonn, wo unsere Botschaft noch ihren Sitz hatte.

Ich war damals mit dabei als Gründungsmitglied und wenn ich heute auf diese zurückliegenden 25 Jahre blicke, kann ich nur sagen: Bravo DBFG! Du hast in all diesen Jahren eine hervorragende Arbeit geleistet. Ich nenne einige Beispiele.

Nehmen wir Deine jährlichen Mitgliederversammlungen; es sind sehr wichtige Foren, auf denen Deine Mitglieder sich treffen, um tatsächlich ihre jeweiligen Erfahrungen auszutauschen, über neue Vorhaben zu diskutieren, Beziehungen und Freundschaften unter einander zu vertiefen.

Oder Deinen Rundbrief, der zur Burkina Info und nun zum Newsletter wurde; hier erfahren wir sehr wertvolle Informationen nicht nur über das, was in Deutschland getan wird, sondern auch über die Partner und unterschiedlichsten Projekte vor Ort in Burkina Faso.

Liebe Freunde,

ich bin sehr stolz auf Sie alle! Denn Sie haben durch harte Arbeit und starkes Engagement nicht nur viel Not in Burkina Faso erheblich gelindert, sondern auch 25 Jahre lang die DBFG getragen, gepflegt, gestärkt und ständig verbessert. Trotzdem wartet immer noch viele Jahre harte Arbeit auf uns. Aber wenn wir weiterhin wie bisher Hand in Hand vorgehen, werden wir noch größere Wunder auch in den nächsten 25 Jahren noch größere und wunderbare Dinge erleben dürfen. Daher mein letzter Satz: noch einmal mein herzlichsten Glückwunsch und bleiben Sie alle in bester Gesundheit! Lang lebe die Deutsch-Burkinische Freundschaft, damit sie ihre Rolle als wichtigstes Verbindungsglied zwischen uns weiterhin spielen kann, lang leben die Freundschaften und der Friede unter den deutschen und burkinischen Völkern und auf der ganzen Welt.

Saidou Dao   

Dolmetscher/Übersetzer/Protokoll der Botschaft von Burkina Faso in der Bundesrepublik Deutschland   

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