germanyC

 

Baobab_rgb2
burkinaC1
Titel

Und wenn man offenüber den Franc CFA diskutieren würde?

Selten hat sich die französische Presse derart mit dem Franc CFA beschäftigt, der Währung, die 14 Länder in West- und Zentralafrika verwenden, die an den Euro gebunden ist und teilweise von der französischen Nationalbank in Paris verwaltet wird.

Zuerst wundert sich die französische Presse in ihrer großen Mehrheit, dass Frankreich weltweit das einzige Land ist, das noch eine gewisse Kontrolle über die Währung seiner ehemaligen Kolonien hat - 55 Jahre nach deren Unabhängigkeit. Sodann zögCFAneuert sie nicht, die Fremdartigkeit der Abkommen zu kritisieren, die dieses anachronistische Geldsystem regeln. (Anm. d. Red.: Die FCFA-Länder haben z.B. auf 85 % ihrer Währungsreserven keinen Zugriff, da diese beim Agence France Tresor zu hinterlegen sind: 65 % ihrer Währungsreserven haben die FCFA-Länder beim Agence France Tresor als Ausgleich für die Garantie der FCFA-Konvertibilität durch die Republik Frankreich und weitere 20 % zur Absicherung finanzieller Unwägbarkeiten zu hinterlegen.)

Dieses gesteigerte Interesse der Medien für diese sehr sensible Thema ist möglicherweise zumindest teilweise die Konsequenz für die lautstark und geharnischt vorgetragene Erklärung des Präsidenten vom Tschad, Idriss Deby Itno, gegen den Franc CFA im Auguste 2015. Aber sicher auch und vor allem deshalb, CFAtextweil mehrere Wirtschaftswissenschaftler keine Gelegenheit ausließen, darauf hinzuweisen, dass nach ihrer Meinung dadurch eine Währung entstanden sei, die für die armen Länder zu hart sei, sie an eine Geldpolitik binde, die für reiche Länder konzipiert sei, und die wirtschaftliche Entwicklung dieser Länder stark behindere. Dazu gehören der Togolese Kako Nubukpo, der Senegalese Demba Moussa Dembele, der Franzose Bruno Tinel und der Kameruner Martial Ze Beiinga. Letzterer nutzt für seine Überzeugungsarbeit ein traditionelles Mittel: Er gibt ein Buch heraus, an dem mehrere andere Wirtschaftswissenschaftler mitgearbeitet haben. Es heißt „Sortir lAfrique de la servitude monetaire" (Afrika aus der monetären Knechtschaft führen), erscheint im Oktober 2016 und beschreibt zweifelsohne die derzeitige Wirtschaftspolitik im französischsprachigen Raum.

 

Während die Kritiker des Franc CFA, die gut auf der Klaviatur der Medien spielen, zunehmend in der Öffentlichen Meinung Zustimmung erfahren, nimmt man die Verteidiger der gültigen Währung in den acht UEMOA-Ländern und den sechs CEMAC-Staaten kaum wahr. Neben dem unüberhörbaren Lionel Zinsou und - erst seit neuestem - Edoh Kossi Amenounve, Chef von BRVM, weitere Persönlichkeiten aus der Wirtschaft oder Politik zu finden, die bereit sind, den Franc CFA öffentlich zu verteidigen, kommt einem regelrechten Wettlauf um Mitstreiter gleich.

Viel überraschender ist allerdings das totale Schweigen der beiden Zentralbanken. Die BCEAO und die BEAC, zumindest von der Theorie her für die Geldpolitik in diesen beiden Regionen verantwortlich und im Zentrum der Kritik stehend, glänzen durch ihre Abwesenheit in dieser Diskussion (und bei anderen übrigens auch). Warum haben sie über 50% ihrer Devisenreserven, wie es die Abkommen vorsehen, bei der französischen Nationalbank deponiert?

 

Ist dieser Weg - genauso wie die Maßnahmen, die sie ergriffen haben, um die Inflation in ihren Mitgliedsländern bei 2% zu halten - mit dem Willen vereinbar, massiv in die Entwicklung der Infrastruktur zu investieren, um ihr Wirtschaftswachstum zu fördern? Und vor allem: Kann ein Geldsystem über Jahrzehnte quasi starr bleiben und sachdienlich weiterbestehen, wenn außen herum die Weltwirtschaft sich weiter entwickelt, zumal die Wirtschaftspartner dieser Geldzone nicht mehr nur europäische Länder sind? Auf diese Fragen und viele andere, die sich die gut 150 Millionen Bewohner von UEMOA und CEMAC stellen, haben diese beiden Institutionen her keine Antworten gegeben. Wenn die Kritiker des Franc sich irren und ihre Argumente stichhaltig sind, müssten die afrikanischen Führer, insbesondre in den beiden Zentralbanken, der Öffentlichkeit beweisen und der Bevölkerung überzeugend erklären, warum sie diesen Weg gehen welche Vorteile sich daraus für ihre Länder ergeben. Haben die Kritiker aber recht (und sei es nur teilweise), müssen die zuständigen Institutionen diese Vorschläge   berücksichtigen und das derzeitige System ändern. Auf jeden Fall kann es nicht sein, dass die ganze  Welt über den Franc CFA spricht aber eine echte Diskussion findet nicht statt.

Stephane Ballong in Jeune Afrique vom 13.09.16 / Übersetzung; Cistoph Straub

 Start   Aktuelles   Newsletters   Netzwerk   Adressen   Reisetipps   Information   INFO 1/17   INFO 2/16   INFO 1/16   INFO 2/15   INFO 1/15   INFO 2/14   INFO 1/14   INFO 2/13   Impfungen   Links   Satzung   Beitritt   Impressum