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    1995 -2015  

 

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25 Jahre DBFG

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Titel

Schritt für Schritt im Kampf gegen strukturelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen

Das Beratungszentrum für Frauen und Mädchen CAECF (Centre d'Accueil, d'Ecoute et des Conseils pour les Femmes et les Filles: CAECF) ist eine Einrichtung des Vereins Association Bangr-Nooma (ABN), der sich in in der Hauptstadt Burkina Fasos in der ländlichen Gemeinde Saaba befindet. Seit seiner Gründung im Jahr 1996 hat ABN den Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung und die Linderung ihrer Folgen zu seinem Schritt1Hauptziel gemacht. Besonders bei der Sensibilisierung der Bevölkerung gegen die Beschneidung der Mädchen hat sich gezeigt, dass gegen alle Formen der Gewalt gegen Frauen und Mädchen vorgegangen werden muss.

In diesem Sinne hat ABN im Jahr 2014 gemeinsam mit der Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES einen Antrag beim BMZ eingereicht und erfolgreich bewilligt bekommen. Mit einer offiziellen Einweihungsfeier wurde das Zentrum am 9. Juni 2015 eröffnet. Das Zentrum wird nicht nur durch einzelne Personen getragen, sondern auch durch die Regierung gestützt; so ist die Generaldirektorin des Ministeriums für Frauen, Frau Thiombiano, Sozialarbeiterin des Zentrums. Weitere Persönlichkeiten des politischen Lebens, die der Einladung des CAECF gefolgt sind, waren die Präsidentin der Sonderdelegation von Saaba als PatiSchritt2n der Einweihungsfeier, Frau Vaessen als Vertreterin der deutschen Botschaft, Vertreterinnen des Vereins TERRE DES FEMMES aus Deutschland sowie eine große Anzahl von Repräsentanten der Stammesführer, der Behörden und der Kirchen vor Ort.

Kurzfristiges Ziel von CAECF ist die Unterstützung von Mädchen und Frauen in Notlagen. Das Zentrum will betroffenen Frauen und Mädchen Schutz, Unterkunft und Beratung gewährleisten und dadurch die Lage der Frauen in Ouagadougou langfristig verbessern. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten die MitarbeiterInnen im CAECF in zwei Richtungen:

1. Sensibilisierung der Bevölkerung bezüglich der Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen durch Bekanntmachung der einschlägigen Texte und Gesetze in Burkina Faso. Diese Sensibilisierungsarbeit wird immer mit einer größeren Gruppe gemacht. Vereine und die Familien spielen hier einen wichtigen Multiplikator. Für große Gruppen werden auch Film-Debatten und Radiosendungen veranstaltet, in denen Betroffene zu Wort kommen.

2. Die Betroffenen werden angehört und individuell beraten. Bei Bedarf werden sie auch an spezielle Einrichtungen weitergeleitet, wo sie eine weitergehende Betreuung erhalten können. In Notfällen ist eine kurzzeitige Unterbringung (48 bis 72 Stunden) im Zentrum möglich.

In manchen Fällen kann das CAECF eine psychologische Betreuung übernehmen und eine Betreuung der Familie organisieren.

Was Bangr Nooma bisher geschafft hat

Durch CAECF konnten zwei Fälle von Zwangsheirat verhindert werden. Obwohl seit 1990 das geltende Persönlichkeits- und Familienrecht Zwangsverheiratung verbietet, kommt es in Burkina Faso immer noch zu derartigen Vorfällen.

Je nach Stammeszugehörigkeit gibt es dafür verschiedene Gründe:Schritt4

    Das Mädchen wird schon bei seiner Geburt einem Mann versprochen, um die Freundschaft zwischen Familien zu festigen.

    Die Hochzeit dient als Dank für Hilfe, die man der Familie erwiesen hat: Geld- oder Getreidehilfe in Notfällen, Rettung vor Gefahren.

    Als Gegenleistung für die Einheirat eines Mädchens in die eigene Familie.

    In bestimmten Stämmen haben die Eltern die Pflicht, den ersten Mann für ihre Tochter zu wählen.

Was ebenfalls oft vorkommt, obwohl es gesetzlich verboten ist, ist, dass der biologische Vater weder Rechte an noch Einflussnahme auf seine Tochter besitzt: Die Entscheidungen treffen seine Brüder und er muss sich fügen. Tatsächlich gehört das Kind der ganzen Großfamilie und nicht nur den Eltern. Selbst wenn er nicht damit einverstanden ist, muss sich der Vater dem Beschluss der Familie beugen und das Mädchen steht oftmals allein da. Sie wird vielfach gezwungen, geschlagen oder sogar vergewaltigt, wenn sie sich widersetzt. Auch werden die Zwangsehen niemals vor einem Standesbeamten geschlossen, sondern immer zwischen den Familien arrangiert.

Schritt3Nur in Einzelfällen können die Mädchen der Überwachung der Familie entgehen und fliehen. Sie werden dann von Nonnen oder im CAECF aufgenommen und befinden sich meist in einem Zustand totaler Verwirrung. Im CAECF werden sie psychologisch betreut, können dort zeitweise unterkommen und die MitarbeiterInnen unterrichten die Polizei, um ihnen Schutz zu bieten. Danach werden die Eltern verständigt und über die geltenden Gesetze unterrichtet. Damit die Betroffenen auch nach ihrer Flucht sicher sind, ist es immer empfehlenswert, für die Übergangszeit eine Aufnahmefamilie zu finden, denn, um das Ansehen der Familie nicht zu beschmutzen, wird den Töchtern gedroht, sie erfahren sexualisierte Gewalt und werden auch nach Ihrer Flucht gezwungen, die Ehe zu vollziehen.

Bangr Nooma hält es heute für sehr wichtig, diesen Kampf gegen Zwangsverheiratungen auch in die weiterführenden Schulen zu tragen, denn immer mehr Kinder, die noch in der Schulausbildung sind, werden verheirate, weil die Eltern die Unreife ihrer Kinder ausnutzen und ihnen einen Ehegatten aussuchen. Das führt zwangsläufig zu verfrühter Elternschaft und zum Abbruch der Schulausbildung.

Um dies zu bekämpfen, hat das CAECF eine Aufklärungskampagne in den Schulen gestartet. Durch Gespräche und Film-Debatten werden die entsprechenden Texte und Gesetze bekannt gemacht. Bei bestimmten Themen müssen Tabus gebrochen werden, wie etwa die Sexualerziehung von Jugendlichen. „Es gibt bei uns sehr viele ungewollte und zu frühe Schwangerschaften bei Mädchen im Schulalter“, erzählt Rakieta Poyga, die Leiterin des Zentrums und Gründerin von ABN, „Viele Mädchen in dieser Situation kommen dann zu uns ins Zentrum, um betreut zu werden. Denn die Familie will diese schwangeren Mädchen nicht mehr aufnehmen und es kommt dann sehr oft zu Gewalttätigkeiten gegen diese Mädchen.“

Zusammenfassend kann man sagen, dass das CAECF nach einem Jahr Tätigkeit die Bedürfnisse der Bevölkerung durch Sensibilisierung, psychologische Betreuung und Unterbringung erfüllen konnte. Dabei erfährt das Zentrum eine vielseitige Unterstützung durch Führungskräfte der Religionen, durch traditionelle Stammeshäuptlinge und Vereinsvorstände.

„Dank der finanziellen und technischen Unterstützung durch TERRE DES FEMMES und das BMZ in Deutschland, durch Partnerschaften mit Vereinen wie dem Verband der Juristinnen, dem burkinabèischen Verein für das Wohl der Familie, den Sozialwerken, der Gendarmerie, der Polizei und anderen verwandten Vereinen konnten gute Ergebnisse erzielt werden. Es bleibt aber nach wie vor viel zu tun“, so Rakieta Poyga.

Arsène OUEDRAOGO, animateur von CAECF                                                                                                       Fotos: ABN, Walter Helfert

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